Laktoseintoleranz
- Sari Schoko
- 19. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Symptome, Ursachen und Ernährungstipps
Was ist Laktoseintoleranz?
Laktoseintoleranz bedeutet, dass der Körper Milchzucker (Laktose) nicht vollständig abbauen kann. Normalerweise spaltet das Enzym Laktase, das im Dünndarm gebildet wird, die Laktose in zwei Einfachzucker – Glukose und Galaktose –, die problemlos aufgenommen werden können.
Fehlt Laktase, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm. Dort vergären Bakterien die Laktose und es entstehen Gase sowie Säuren. Die Folgen sind typische Beschwerden wie:
Blähungen und Völlegefühl
Bauchschmerzen oder Krämpfe
Durchfall oder weicher Stuhl
gelegentlich Übelkeit
Welche Formen der Laktoseintoleranz gibt es?
Primäre Laktoseintoleranz
Häufigste Form weltweit
Die Laktaseproduktion nimmt mit dem Alter ab
Sekundäre Laktoseintoleranz
Folge anderer Darmerkrankungen (z. B. Zöliakie, Morbus Crohn)
Meist vorübergehend und reversibel
Angeborene Laktase-Defizienz (selten)
Bereits Neugeborene vertragen keine Laktose
Wie wird Laktoseintoleranz diagnostiziert?
Wasserstoff-Atemtest: Standardmethode, misst Gärungsprodukte der Laktose.
Laktosebelastungstest: Überprüfung des Blutzuckers nach Laktosegabe.
Gentest: Zeigt genetisch bedingten Laktasemangel an.
Wie stelle ich meine Ernährung um?
Ziel ist nicht der vollständige Verzicht, sondern die eigene Toleranzschwelle zu finden.
Gut verträglich: Naturjoghurt, Kefir, Hartkäse (Parmesan, Emmentaler)
Mäßig verträglich: Milch, Frischkäse, Quark – laktosefreie Varianten nutzen
Fast immer unproblematisch: Butter (enthält kaum Laktose)
Tipp: Mit einem Ernährungstagebuch lässt sich herausfinden, welche Mengen noch verträglich sind.
1. Start mit einer strikten laktosearmen Phase (2–4 Wochen)
Verzichte zunächst konsequent auf stark laktosehaltige Lebensmittel: Milch, Sahne, Frischkäse, Quark, Molke, Milchpulver.
Nutze in dieser Zeit laktosefreie Milchprodukte oder pflanzliche Alternativen (z. B. Hafer-, Soja-, Mandelmilch).
Hartkäse und Butter sind meist unproblematisch und können bleiben.
Ziel: Beschwerden beruhigen und dem Darm Zeit geben.
2. Testphase – persönliche Verträglichkeit herausfinden (3–4 Wochen)
Führe nach und nach einzelne Milchprodukte wieder ein – am besten eines pro Tag.
Starte mit geringen Mengen (z. B. 50 ml Milch im Kaffee) und steigere langsam.
Beobachte, wie dein Körper reagiert → Ernährungstagebuch ist sehr hilfreich.
Viele vertragen Joghurt oder Kefir besser, da Bakterien einen Teil der Laktose abbauen.
3. Langfristige Ernährung – Balance finden
Nutze laktosefreie Varianten für Milch, Quark, Sahne etc. – sie schmecken wie normale Produkte, enthalten aber < 0,1 g Laktose.
Baue natürliche laktosearme Produkte ein: Hartkäse, Butter, Mozzarella, Brie.
Achte auf versteckte Laktose in Fertigprodukten, Wurst, Soßen oder Gebäck.
Bei Bedarf: Laktase-Tabletten (z. B. bei Restaurantbesuchen).
4. Auf Nährstoffe achten
Wenn du stark auf Milchprodukte verzichtest, plane Calciumquellen ein:
Gemüse (Brokkoli, Grünkohl, Pak Choi)
Nüsse und Samen (Mandeln, Sesam, Chia)
Mineralwasser mit hohem Calciumgehalt
Vitamin D-Spiegel regelmäßig kontrollieren, da er für die Calciumaufnahme wichtig ist.
Mein Ernährungstagebuch kann mir dabei helfen den Überblick zu behalten. Hier trage ich alle Lebensmittel ein und höre dabei auf meinen Körper. Ich trage hier meine Beschwerden und Symptome aber auch mein Wohlbefinden ein.
Beispiel:
Tag 1: 1.9.2025 08:00 Uhr - ein Joghurt natur 1,6 % Fett – Blähbauch, Unwohlsein – Stress, Joghurt getrunken - sehr schnell gegessen, da auf dem Weg zur Arbeit
Mein Ernährungstagebuch: Woche
Tag/Datum/Uhrzeit | Art der Lebensmittel und Menge | Symptome/Uhrzeit | Zusatzinfo (Stress, wenig Schlaf, psychisches Wohlbefinden, Periode) |
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Laktosegehalt – Übersicht
Praktisch laktosefrei (< 0,1 g / 100 g)
Hartkäse (Parmesan, Emmentaler, Bergkäse, Appenzeller, Gruyère)
Butter (0,1 g – nur Spuren)
Ghee (Butterreinfett, 0 g)
Laktosefreie Milchprodukte (entsprechend gekennzeichnet)
Sehr niedriger Laktosegehalt (0,1 – 1 g / 100 g)
Weichkäse wie Camembert oder Brie (0,1 – 0,5 g)
Schnittkäse wie Gouda, Edamer, Tilsiter (0,1 – 1 g)
Feta (ca. 0,5 g)
Mozzarella (0,1 – 0,5 g)
Sauerrahmbutter (ca. 0,6 g)
Mittlerer Laktosegehalt (1 – 4 g / 100 g)
Schlagobers (Schlagsahne 30 %: 3 g / 100 g, Kaffeesahne 10 %: 4 g)
Naturjoghurt (ca. 3 – 4 g)
Kefir (ca. 3 g)
Dickmilch (ca. 3 – 4 g)
Buttermilch (ca. 3 – 4 g)
Topfen (Magertopfen: 3 – 4 g, Speisequark: 2 – 3 g)
Hoher Laktosegehalt (4 – 6 g / 100 g)
Trinkmilch (Vollmilch: ca. 4,7 g, fettarme Milch: ca. 4,9 g)
Kondensmilch (ca. 5 g)
Molke (ca. 4,5–5 g)
Sehr hoher Laktosegehalt (> 6 g / 100 g)
Milchpulver (bis zu 50 g/100 g → extrem konzentriert)
Süßmolkenpulver (40 – 50 g)
gezuckerte Kondensmilch (10 – 12 g)
Milchzucker (reine Laktose, 100 g/100 g)
Praktischer Merksatz
Hartkäse & Butter → fast laktosefrei
Joghurt & Topfen → mittlere Mengen
Milch & Molke → relativ hoch
Pulver & Süßmolke → extrem hoch
Alltagstipps für Betroffene
Produkte einzeln testen und auf Reaktionen achten
Etiketten prüfen, da Milchzucker auch in Fertigprodukten steckt
Laktase-Tabletten für Restaurantbesuche nutzen
Selbst kochen für bessere Kontrolle über Zutaten
Calciumversorgung sichern über Gemüse, Nüsse, Samen und Mineralwasser
Fazit: Beschwerdefrei leben mit Laktoseintoleranz
Laktoseintoleranz ist gut beherrschbar. Mit etwas Wissen, Geduld und den richtigen Produkten lassen sich Beschwerden deutlich reduzieren.
Das Motto lautet: nicht Null Laktose, sondern Null Beschwerden!
Laktasetabletten
Was sind Laktasetabletten?
Laktasetabletten enthalten das Enzym Laktase, das den Milchzucker (Laktose) bereits im Magen-Darm-Trakt spaltet. Dadurch gelangt weniger ungespaltene Laktose in den Dickdarm, was Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall vorbeugt.
Wie wirken Laktasetabletten?
Bei einer Laktoseintoleranz produziert der Körper zu wenig Laktase.
Die Tabletten ersetzen dieses Enzym und helfen, Laktose in Glukose und Galaktose zu zerlegen.
Sie müssen direkt vor oder mit einer laktosehaltigen Mahlzeit eingenommen werden.
Vergleichstabelle: Laktasetabletten
Produkt (Beispiele) | Laktase pro Tablette (FCC) | Geeignet für… | Bemerkungen |
Lactrase® 2500 | ca. 2.500 FCC | kleine Laktose-Mengen (z. B. Milch im Kaffee) | für den Alltag oder zwischendurch |
Lactrase® 5500 | ca. 5.500 FCC | mittlere Mengen (z. B. Joghurt, Dessert) | gut dosierbar durch mehrere Tabletten |
LactoJoy® 14.000 | ca. 14.000 FCC | große Portionen Milchprodukte (z. B. Pizza mit Käse, Eisbecher) | hochdosiert, für Reisen oder Restaurantbesuche |
Lactostop® 5.500 | ca. 5.500 FCC | mittlere Laktose-Mengen | auch als Drops verfügbar |
Lactiv® 10.000 | ca. 10.000 FCC | größere Mahlzeiten mit unbekanntem Laktosegehalt | flexible Einnahme |
Lactase-Pulver (versch. Anbieter) | variabel, oft 10.000–15.000 FCC pro Messlöffel | zum Kochen und Backen | kann direkt ins Essen gegeben werden |
Wie dosieren?
Faustregel: 2.500–5.000 FCC reichen oft für ca. 5–10 g Laktose (entspricht 100–200 ml Milch).
Individuell anpassen: Bei stärkerer Empfindlichkeit lieber höher dosieren oder mehrere Tabletten kombinieren.
Direkt mit dem ersten Bissen oder Schluck einnehmen.
Praktische Tipps zur Verwendung
Für kleine Unsicherheiten im Alltag → niedrig dosierte Tabletten.
Für Restaurantbesuche oder Reisen → hochdosierte Tabletten einpacken.
Pulver ist praktisch, wenn du Rezepte selbst laktosefrei machen möchtest.
Immer auf FCC-Einheiten achten (vergleichbare Wirkstärke).



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