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Fructoseintoleranz

  • Autorenbild: Sari Schoko
    Sari Schoko
  • 17. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit

Bauchschmerzen und ständiges Unwohlsein müssen kein Dauerzustand bleiben – wer seine Fructoseintoleranz erkennt, kann mit der richtigen Ernährung schnell wieder mehr Lebensqualität gewinnen. Viele Menschen leiden lange unter Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall, ohne zu ahnen, dass ein einfacher Zucker aus Obst, Gemüse oder Fertigprodukten die Ursache sein kann.


Doch eine Diagnose bedeutet nicht Verzicht auf Genuss. Mit ein wenig Wissen und der richtigen Strategie lässt sich der Alltag oft erstaunlich unkompliziert gestalten. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Fructoseintoleranz entsteht, wie man sie sicher erkennt und welche Ernährungsanpassungen helfen, den eigenen Speiseplan wieder vielfältig und unbeschwert zu genießen.

 

1. Was ist Fructose:

Fructose, auch Fruchtzucker genannt, ist ein natürlicher Zucker, der in Obst, manchen Gemüsesorten und vielen industriell hergestellten Lebensmitteln vorkommt.

Es gibt zwei verschiedene Störungen im Fructosestoffwechsel:


  • Fructosemalabsorption: Häufig und meist gut behandelbar. Hier kann der Dünndarm nur begrenzt Fructose aufnehmen, wodurch Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall entstehen.


  • Hereditäre Fructoseintoleranz (HFI): Sehr seltene, angeborene Störung. Betroffene müssen Fructose lebenslang strikt meiden, da ihr Körper sie nicht abbauen kann.


Die genaue Diagnose:

Die häufigste Methode ist ein Wasserstoff-Atemtest. Bei Verdacht auf HFI wird zusätzlich ein Gentest durchgeführt.


Die drei Schritte zu meiner Beschwerdefreiheit:


  1. Karenzphase: In den ersten Wochen nach meiner Diagnose werden fructosereiche Lebensmittel strikt gemieden, um meinen Darm zu entlasten.


  2. Testphase: Danach werden einzelne Lebensmittel schrittweise wieder in meinen Ernährungsplan eingeführt, um meine persönliche Toleranz zu ermitteln.


  3. Langfristige Ernährung: Ziel ist nicht die komplette Verbannung von Fructose aus meinem Leben, sondern ein individueller Speiseplan für mich ohne Beschwerden.


Tipp:

  • Glucose (Traubenzucker) kann die Aufnahme von Fructose verbessern – daher werden fructosehaltige Lebensmittel manchmal zusammen mit Glucose besser vertragen.

  • Sorbit (E420) und andere Zuckeralkohole können die Beschwerden verschlimmern, weil sie die Fructoseaufnahme zusätzlich hemmen.

 

„Jede Umstellung fühlt sich anfangs groß an – doch schon bald wird aus neuen Gewohnheiten ein ganz natürlicher Teil deines Lebens, und du wirst überrascht sein, wie gut dir das tut.“

 

Wie stelle ich meine Ernährung um?

Das Ziel meiner Ernährungsumstellung ist es, Lebensmittel so zu kombinieren, dass ich als Betroffene nach einiger Zeit fructosehaltige Lebensmittel (besonders Obst) in bestimmten Mengen wieder ohne Beschwerden essen kann.

Generell besteht meine Ernährungsumstellung bei einer Fructose-Malabsorption aus nur drei Phasen:

 

  1. Meine Karenzphase:

Dabei halte ich als Betroffene eine fructosearme Ernährung streng ein.

Ich esse maximal 1-2 Gramm Fructose pro Tag.

Auch Kohlensäure und blähende Speisen sind tabu, da diese oft zu Problemen führen können.

Die Karenzphase dauert etwa 2–4 Wochen.

Meine Beschwerden sollten sich in dieser Zeit deutlich bessern.

Falls nicht, könnten auch andere Ursachen zugrunde liegen.

Treten bei mir an 5 aufeinanderfolgenden Tagen keine Symptome auf, startet meine nächste Phase.

 

  1. Meine Testphase:

Sie dauert 3-4 Wochen.

Die Grundlage meiner Ernährung sind fructosearme Lebensmittel aus der Karenzphase, die nach und nach mit neuen Nahrungsmitteln ergänzt werden.


TIPP: Immer nur ein neues Lebensmittel in eine Mahlzeit einbauen, um zu sehen, wie und in welchen Mengen es verträglich ist.


Mein Ernährungstagebuch kann mir dabei helfen den Überblick zu behalten. Hier trage ich alle neuen Lebensmittel ein und höre dabei auf meinen Körper. Ich trage hier meine Beschwerden und Symptome aber auch mein Wohlbefinden ein.


Beispiel:

Tag 1: 1.9.2025 08:00 Uhr - eine Banane roh – Blähbauch, Unwohlsein – Stress, Banane sehr schnell gegessen, da auf dem Weg zur Arbeit

 

Mein Ernährungstagebuch: Woche

Tag/Datum/Uhrzeit

Art der Lebensmittel und Menge

Symptome/Uhrzeit

Zusatzinfo (Stress, wenig Schlaf, psychisches Wohlbefinden, Periode)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  1. Zurück zum Alltag – Meine neue langfristige Ernährung

In der 3. Phase sollte ich wieder auf meine ausreichende Versorgung mit

Obst (mindestens 150 Gramm) und

Gemüse (mindestens 400 Gramm) täglich

achten. Ich greife nur zu Sorten, die ich in meiner zweiten Phase gut vertragen habe.

Wenn ich möchte, kann ich weiterhin (bis dahin) unverträgliche Lebensmittel erneut testen und schreibe mir dies in mein Ernährungstagebuch ein.

TIPP: Der Zusatz von Traubenzucker kann meine Verträglichkeit verbessern. Die darin enthaltene Glukose erleichtert es meinem Darm, Fructose besser aufzunehmen. Dabei darf ich aber nicht übertreiben: In größeren Mengen kann der Traubenzucker abführend wirken.

 

  Übersicht Fructosegehalt

Geringer Fructosegehalt

Aprikosen, Auberginen, Avocados, Blumenkohl, Brokkoli, Champignons, Erbsen (frisch), Fenchel, Grünkohl, Gurken, Kopfsalat, Limetten, Mais, Radieschen, Rosenkohl, Spinat, Mangold, Sellerie, Soja, Zucchini

Niedriger Fructosegehalt

Bohnen (grün), Honigmelonen, Karotten, Lauch, Mandarinen, Oliven, Zwiebeln

Mittlerer Fructosegehalt

Ananas, Bananen, Brombeeren, Erdbeeren, Granatäpfel, Grapefruits, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Kirschen (sauer & süß), Kiwis, Nektarinen, Orangensaft, Pfirsiche, Pflaumen, Sauerkirschen, Trauben, Wassermelonen

Hoher Fructosegehalt

Apfel, Apfel (getrocknet), Apfelmus, Apfelgelee, Apfelsaft, Aprikosen (getrocknet), Birnen, Brombeerkonfitüre, Erdbeerkonfitüre, Feigen (getrocknet), Himbeersaft, Himbeerkonfitüre, Honig, Kirschkonfitüre, Mangos, Orangenkonfitüre, Pfirsiche (getrocknet), Pflaumen (getrocknet), Quittengelee, Rosinen, Traubensaft

 

 

Diese fructosefreien Lebensmittel kannst du essen:


  • Getreideprodukte: Getreide und Getreideprodukte sind gut verträglich, solange sie ohne Zusatz von Zucker, Honig oder ähnlichem sind:


  • Glutenfreies Brot

    • Bitte achte bei fertigen Produkten auf den Zusatz von Zucker, Honig, und anderen Zuckerersatzstoffen

  • Hafer und Haferflocken

  • Amaranth

  • Hirse

  • Reis und Reisvollkorn

  • Buchweizen

  • Quinoa

  • Kokos

  • Mandel

  • Leinsamen


 TIPP: Vorsicht bei Müslimischungen, Müsliriegeln und Co.

In diesen Produkten verstecken sich oft fructosereiche Trockenfrüchte, Sirup und Co.

 

  • Gemüse:

Gut geeignet für eine fructosearme Kost sind

  • Grüne Erbsen

  • Spinat

  • Pastinaken

  • Rote Bete

  • Mais

  • Salatgurke

  • Spargel

  • Kartoffeln

  • Sellerie

  • Mangold

  • gegarte Pilze

  • Radieschen

  • Chinakohl

  • Kürbis

  • Oliven

 

Hiervon kannst du so viel essen, wie du möchtest.

 

Sowie in kleinen Mengen kannst du diese Lebensmittel essen:

  • Feldsalat

  • Auberginen

  • Karotten

  • Kohlrabi

  • Paprika (gelb und rot)

  • Rosenkohl

  • Zucchini

  • Tomaten

  •  Getränke

Besonders geeignet sind Mineralwässer ohne Kohlensäure (diese löst oft zusätzliche Beschwerden aus) und Kräutertees. Auch Kaffee oder Schwarztee ohne Zucker ist in Ordnung.

 

  • Milchprodukte

Milchprodukte, sofern sie naturbelassen sind, können Betroffene bedenkenlos essen. Dazu gehören etwa:


  • Milch

  • Sahne

  • Naturjoghurt

  • Speisequark natur

  • ungesüßte Kondensmilch

  • Dickmilch

  • Buttermilch

  • Frischkäse natur

  • Schnittkäse (Gouda, Edamer, Maasdamer)

  • Hartkäse (Emmentaler, Parmesan, Bergkäse)

  • Weichkäse (Camenbert, Brie)

  • Kefir natur

 

  • Verarbeitete Lebensmittel:

Auch folgende Lebensmittel sind fructosearm/frei und können bedenkenlos gegessen werden:


  • Fleisch natur (ohne fertige Marinade/Panade)

  • Wurst ohne fructosehaltige Zusätze

  • Fisch (ohne fertige Marinade/Panade oder fructosehaltige Zusätze)

  • Eier

  • alle pflanzlichen und tierischen Fette und Öle

  • Gewürze (keine fertigen Gewürzmischungen!)

  • Kräuter

  • fructosefreier Zucker wie Traubenzucker/Glucose, Dextrose, Maltodextrin, Reissirup

  • Reiswaffeln natur

  • Salzstangen ohne Zuckerzusatz

  • Mandelmus ohne Zucker

  • Kokosmilch ohne Zusätze

  • Kokosflocken

  • Puddingpulver ohne Zucker

  • Backhefe 


Diese fructosehaltigen Lebensmittel solltest du meiden:


  • Obst mit viel Fructose

  • Äpfel

  • Birnen

  • Kirschen

  • Kiwi

  • Weintrauben

  • Trockenobst

 

  • Gemüse mit viel Fructose

  • Artischocken

  • dicke Bohnen

  • Frische Sojabohnen

  • Limabohnen

  • rohe Pilze

  • Gemüsekonserven mit Fructose oder Sorbit

 

  • Auch diese Gemüsesorten können je nach individueller Empfindlichkeit Beschwerden verursachen und müssen daher beobachtet werden: Am einfachsten ist das mit einem Ernährungstagebuch, wo du nach dem Verzehr der Gemüsesorte hineinschreibst, wie es dir und deinem Körper/Darm geht.

  • Kohl

  • Brokkoli

  • Zwiebel

  • Knoblauch

  • grüne Paprika

  • Fenchel

  • Porree

  • Linsen

  • grüne Bohnen

  • Chicoree

  • Schwarzwurzeln

  • Blattsalat

  •  Säfte

Alle unverdünnten Fruchtsäfte, die zu 100 % aus Obst hergestellt sind und Zusätze wie Fructose oder Sorbit enthalten, sollten Betroffene nach Möglichkeit meiden.


  • Süßigkeiten

Süßigkeiten enthalten in der Regel viel (Frucht-)Zucker und sind nicht für eine fructosearme Ernährung geeignet. Auch Produkte mit Zuckeraustauschstoffen (z. B. Sorbit, Xylit etc.) sollten Betroffene meiden. Es gibt spezielle fructosefreie Süßigkeiten (z. B. fructosefreie Schokolade).


  • Industriell verarbeitete Lebensmittel

Generell enthalten industriell verarbeitete Lebensmittel oft sehr viel Fructose oder fructosehaltige Zusatzstoffe. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Fertiggerichte

  • Fertigsuppen

  • Würzmischungen

  • Würzsoßen

  • Soßenbinder, kalorienreduzierte Feinkostsoßen und Marinaden

  • Agar-Agar

  • Fruchtsoßen

 

Auch Ketchup, Balsamicoessig und süßer Senf sind oft nicht so gut verträglich. Diese Lebensmittel müssen von dir als Betroffene wieder selbst ausgetestet werden. Nimm dafür dein Ernährungstagebuch zur Hand.

 

Folgende Bezeichnungen können auf Fructose hindeuten:

  • Oligofruktose, Inulin

  • Invertzucker(-sirup) (Kunsthonig)

  • Agaven- oder Birnendicksaft

  • Saccharose

  • Ahorn- oder Rübensirup

  • Kokosblüten-, Kandis-, Puderzucker

  • Zucker

 

 

Zudem können Zuckeraustauschstoffe Probleme verursachen:

  • Sorbit (E420)

  • Mannit (E 421)

  • Xylit (E 967)

  • Isomalt (E 953)

  • Laktit E (E966)

  • Maltit E (E 965)

 

Sie verhindern zwar die Aufnahme von Fruchtzucker aus dem Darm können aber Beschwerden verursachen.

 

 

Praktische Tipps für den Alltag


  • Ich lese Etiketten: 

Ich achte auf Begriffe wie Fructose, Fructosesirup, Inulin, Sorbit oder „Fruchtzucker“ und versteckten Fruchtzucker in verarbeiteten Lebensmitteln (z. B. in Wurst, Brot, Kokosmilch etc.).

Die Nährwerttabelle gibt mir keine Auskunft über fructosehaltige Inhaltsstoffe. Daher gilt: Ich lese immer die Zutatenliste genau!


  • Meine alten Rezepte anpassen: 

Ich verwende Traubenzucker oder Reissirup als Süßungsmittel, um meine Desserts bekömmlich zu machen.


  • Ich koche mehr frisch: 

Alle meine selbstgemachten Mahlzeiten sind leichter kontrollierbar und schmecken mir besser. Außerdem ist selber kochen günstiger und spart Geld und Nerven bei der Essenssuche.


  • Was kann ich unterwegs essen? 

Ich wähle naturbelassene Lebensmittel (z. B. Salate ohne Dressing, gegrilltes Fleisch oder Fisch, Kartoffeln statt Pommes mit Ketchup, Gemüse, Eier, Pasta, Reisgerichte).


  • Ich verwende Glucose als Hilfsmittel: 

Ein Stück Traubenzucker kann mir helfen, kleine Mengen Fructose besser zu vertragen.


6. Fazit & Checkliste

  • Starte mit einer fructosearmen Basisernährung.

  • Führe Lebensmittel langsam wieder ein und höre auf deinen Körper.

  • Meide große Mengen an Sorbit und Fructosesirup konsequent.

  • Bevorzuge frische, unverarbeitete Lebensmittel und süße mit Glucose oder Reissirup.

Merksatz: „Nicht Null-Fructose, sondern Null-Beschwerden ist das Ziel.“


„Es braucht ein wenig Geduld, doch schon bald wirst du sicher spüren, was dir guttut – und dein Alltag fühlt sich wieder leicht, lecker und voller Freude an.“

 

Kann ich Tabletten nehmen?

Kapseln wie Fructaid und Fructosin können bei Fructoseintoleranz helfen, indem sie das Enzym Xylose-Isomerase enthalten, das Fruktose in Glukose umwandelt.

 

Die Wirkungsweise: Diese Kapseln enthalten das Enzym Xylose-Isomerase, das im Dünndarm Fruktose in Glukose umwandelt. Dies hilft, die Symptome der Fructoseintoleranz zu lindern, indem verhindert wird, dass überschüssige Fruktose in den Dickdarm gelangt, wo sie zu Beschwerden führen kann.  

Zur Anwendung: Es wird empfohlen, 1 bis 4 Kapseln einige Minuten vor einer Mahlzeit einzunehmen, die Fruktose enthält. Die genaue Dosierung kann je nach individueller Empfindlichkeit und Fruktosegehalt der Nahrungsmittel variieren. Fructaid ist in allen Apotheken erhältlich und kann auch online bestellt werden. Es ist wichtig, die Kapseln immer vor dem Verzehr von fructosehaltigen Lebensmitteln oder Getränken einzunehmen, um die besten Ergebnisse zu erzielen

Ob man Tabletten nehmen möchte ist eine persönliche Entscheidung muss von jeder Betroffenen getroffen werden.

 

Fructosefreie Ersatzlebensmittel:


Es gibt von der Firma Frusano viele Lebensmittel, die den Alltag von Menschen mit einer Fructoseintoleranz erleichtern. Diese Produkte sind bei DM, Müller, Reformstark Martin, Denns, Prokopp und auch online bei Frusano erhältlich.


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